Modisch ins Verderben
Da eine poppige Bluse, dort ein cooles T-Shirt ... Fast Fashion dominiert nach wie vor die Modebranche und belastet Umwelt und Menschen in den Herstellerländern, was gerne verdrängt wird.
Franziska Feldhaus (19)
Fast Fashion ist schon seit Jahren ein weltweites Problem und prägt mittlerweile nahezu den gesamten Bekleidungsmarkt. Was wir im normalen Handel kaufen können, gehört in den meisten Fällen bereits zur Fast-Fashion-Industrie. Verstärkt wird diese Entwicklung durch sogenannte «Shein Hauls» in den sozialen Netzwerken. Darunter versteht man Videos, in denen Influencer:innen zeigen, was sie sich bei Shein – einem chinesischen Ultra-Fast-Fashion-Unternehmen – für wenig Geld gekauft haben. Meist handelt es sich dabei um unzählige Kleidungsstücke, die einzeln in Plastik verpackt und weltweit verschickt werden.
Was dabei häufig unbeachtet bleibt, sind die gravierenden Auswirkungen auf die Umwelt: kurze Produktionszyklen, minderwertige Materialien, ein hoher Wasser- und Energieverbrauch sowie immer schneller wachsende Berge an Textilabfällen. Anhand von «Shein Hauls», aber auch von grossen Modeketten wie H&M, Zara oder Bershka zeigt sich, wie selbstverständlich Fast Fashion geworden ist – und zugleich, wie wichtig es ist, das eigene Konsumverhalten sowie die Strukturen der Modeindustrie kritisch zu hinterfragen.
Wasserschmutzung, Treibhausemissionen und Mikroplastik
Der wohl grösste Kritikpunkt an Fast Fashion sind die ökologischen Auswirkungen. Allein die Herstellung einzelner Kleidungsstücke verbraucht grosse Mengen an Ressourcen: Für ein einziges Baumwoll-T-Shirt werden schätzungsweise 2700 Liter Frischwasser benötigt . Zudem war der Textilsektor nach Angaben der Europäischen Umweltagentur im Jahr 2020 der drittgrösste Verursacher von Wasserverschmutzung und Landnutzung weltweit. Etwa 20% der globalen Wasserverschmutzung gehen auf das Konto der Textilindustrie, unter anderem aufgrund der Chemikalien, die zum Färben und Behandeln von Stoffen verwendet werden.
Ein weiteres Problem ist, dass Fast-Fashion-Kleidung häufig aus synthetischen und minderwertigen Stoffen hergestellt wird, die beim Waschen eine erhebliche Menge Mikroplastik freisetzen. Dieses gelangt über das Abwasser in Flüsse und Meere und damit letztlich auch in die Nahrungskette. Schätzungen zufolge werden so mehr als eine halbe Million Tonnen Mikropastik in die Umwelt geschwemmt. Kaum besser sieht es bei den Treibhausemissionen aus: Die Modeindustrie ist für etwa 10% der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich.
Schlechte Arbeitsbedingungen
Doch nicht nur die Umwelt leidet unter den Fast-Fashion-Konzernen. Der Grossteil der Kleidung wird unter schlechten Arbeitsbedingungen in Ländern wie China, Bangladesch oder Vietnam hergestellt. Die Beschäftigten arbeiten dort häufig nur zum gesetzlichen Mindestlohn, der in vielen Fällen nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu sichern. Um dennoch über die Runden zu kommen, sind viele der Arbeitenden gezwungen, Überstunden zu leisten.
Neben den niedrigen Löhnen sind auch die gesundheitlichen und sicherheitstechnischen Bedingungen in vielen Produktionsstätten problematisch. Nicht alle Fabriken verfügen über ausreichende Lüftungssysteme, was zu einer erhöhten körperlichen Belastung führt. Zudem sind die Sicherheitsstandards oft mangelhaft, wodurch es immer wieder zu Arbeitsunfällen kommt.
Doch die Produktion der Kleidungsstücke ist nicht das einzige Problem in Zusammenhang mit Fast Fashion. Auch Online-Händler wie Zalando sind Teil des Problems, ein Unternehmen, das sich nachhaltig gibt, gleichzeitig aber sehr lockere Richtlinien für Retouren hat: Etwa 50% der gekauften Artikel werden zurückgeschickt. Auch was mit den zurückgeschickten Kleidungsstücken passiert, wird nicht klar deklariert. Laut eigenen Angaben bereitet Zalando 98% der retournierten Artikel auf, um sie wieder auf ihrer Webseite zu verkaufen. Diese 98% gelten allerdings nicht für alle Artikel, die Zalando verkauft, denn Zalando wickelt nur etwa die Hälfte der Retouren selbst ab.
Die Kontrolle verlieren
Das Unternehmen arbeitet mit Partner-Händlern, die ihre Retouren selbst bearbeiten, wodurch Zalando die Kontrolle darüber verliert, was damit passiert. Zudem verkauft Zalando einen Teil der Retouren weiter an Grosshändler, statt sie direkt zu vernichten. Sie werden vor allem nach Asien und Afrika verkauft, damit sie aus dem europäischen Kernmarkt verschwinden. Was dort mit den Artikeln passiert, ob sie auf Müllhalden landen oder weiterverkauft werden, kontrolliert Zalando nicht mehr.
Besonders problematisch ist der Schweizer Zalando-Partner MS Direct in Arbon, ein Logistikunternehmen, das Online-Bestellungen für Zalando abwickelt. Laut einem Insider-Bericht vom September 2025 werden dort wöchentlich Tausende Retouren vernichtet, da die Entsorgung günstiger ist als der Weiterverkauf. In den letzten sechs Jahren wurden Retouren im Wert von bis zu 40 Millionen Franken zerstört. Zalando und MS Direct streiten dies allerdings ab und behaupten, dass nur defekte und unverkäufliche Artikel entsorgt werden.
Ware, die retourniert wurde, legt selbstverständlich auch deutlich längere Strecken zurück, zunächst wird die Ware in Retourzentren gebracht, von wo aus sie in Logistikzentren in ganz Europa verteilt wird. Die Menschen, die dort arbeiten, stehen unter enormen Zeitdruck. Pro Retoure haben sie unter einer Minute Zeit, da sie 68 Kleidungsstücke pro Stunde bearbeiten sollen. Der Verkauf der Kleidung bringt also fast die gleichen Probleme mit sich wie die Herstellung: starke Umweltbelastung und schlechte Arbeitsbedingungen.
Ständig neue Kollektionen
Trotzdem ist Fast Fashion heute nahezu überall präsent. In Einkaufszentren und Fussgängerzonen finden sich überwiegend Geschäfte grosser Modeketten, die ständig neue Kollektionen anbieten. Hinzu kommt die permanente Werbung sowohl im öffentlichen Raum als auch in den sozialen Medien. Durch diese dauerhafte Präsenz wird Fast Fashion derart normalisiert, dass vielen Menschen gar nicht bewusst ist, welche negativen Folgen dahinterstecken. Auch wenn Ultra-Fast-Fashion-Unternehmen wie Shein oder Temu besonders problematisch sind, macht das klassische Fast-Fashion-Marken wie H&M, Zara oder Bershka nicht besser. Der Umstand, dass man dort in einem physischen Geschäft einkaufen kann, ändert nichts an den grundlegenden Problemen der Produktion.
Dabei ist es einfach möglich, Fast Fashion zu umgehen, und dahingehend lässt sich ein gewisser Trend ausmachen. Secondhandkleidung wird immer beliebter und ist eine gute Alternative, besonders für Menschen, die nicht viel Geld ausgeben möchten. Darüber hinaus gibt es sogenannte Slow-Fashion-Marken, die auf langlebige Qualität, einen geringen Energieverbrauch und bessere Arbeitsbedingungen setzen. Diese Kleidung ist zwar deutlich teurer, hält dafür aber auch viel länger. Angesichts der riesigen Mengen an Kleidung, die einfach weggeworfen wird, wäre es zudem problemlos möglich, einen Grossteil des Bedarfs durch Secondhand zu decken. Und selbst wenn man nicht vollständig auf Fast Fashion verzichtet, kann ein bewussteres Konsumverhalten bereits viel bewirken. Wer nur das kauft, was wirklich gebraucht wird, und kurzlebigen Trends nicht hinterherrennt, reduziert den Konsum deutlich. Abschliessend lässt sich sagen: Es lohnt sich, darüber nachzudenken, welche Kleidung man kauft, wie viel man wirklich benötigt und ob ein neues Kleidungsstück seinen Preis – für Mensch und Umwelt – tatsächlich wert ist.
Quellen:
https://www.fashionrevolution.ch/fakten-uebersicht
https://www.srf.ch/kids/eltern/einfach-erklaert-was-bedeutet-fast-fashion
https://corporate.zalando.com/de/ueber-uns/was-wir-tun/retoure-bei-zalando
https://www.bluewin.ch/en/news/millions-in-value-end-up-in-the-trash-2881381.html
https://www.businessclassost.ch/article/230471-inxbnxfp
https://www.zeit.de/green/2023-02/zalando-online-mode-fast-fashion-retoure-nachhaltigkeit/seite-2
https://ecommercegermany.com/blog/zalando-return-policy-update/

